Fee Feuer.

Worte. Bilder. Geschichten. Die Wahrheit. Ein paar Lügen. Herz. Blut.

Monat: Dezember, 2010

Ein vergessener Spaziergang.

Manchmal will und will ein Film in der Kamera nicht voll werden. Bis ich das letzte Bild verknippse, habe ich längst vergessen, was ich am Anfang fotografiert habe. Heute konnte ich solche Fotos vom Entwickeln abholen. In beißender Kälte an der Tramhaltestelle habe ich diese fast vergessenen Momente wiederentdeckt und mich um Monate zurückversetzt gefühlt: Ein Spaziergang im Herbst, immer der Sonne nach. Vier Freundinnen, ein nicht enden wollender Fluss und mehr als genug zu bereden.

Das Lied dazu:

Entdecker.

„…Und manchmal vergesse ich absichtlich meine Musik und die Kopfhörer, damit ich in der S-Bahn lese und nicht nur aus dem Fenster starre. Denn was kann man denn machen, denke ich, außer lesen und Worte sammeln, die sich richtig anfühlen und die dich doch alle nicht im mindesten beschreiben können…“

Chilenischer Wind, französische Konjugationen und der Geruch von Büchern. Vielleicht sogar eine Liebesgeschichte.

Fünf Minuten Prosa. Zum Anhören.

Klick:

Als das Telefon nicht klingelte.

„Als das Telefon nicht klingelte, wusste ich, dass du es warst.“

Dorothy Parker

Trio.

Ich habe gemerkt, dass noch ein Bild von meinem Gesicht auf diesem Blog fehlte. Außerdem gab es kein Bild von meiner Holga. Und nicht mal eines von einem Päckchen Kakao.

Also haben wir drei uns zusammen getan, um das zu ändern.

Tell me that you’d like to see me, too.

„Not too late“ – Norah Jones.

Sechs Meter tief.

Du gehst vor mir durch den Flur, schiebst einen Fuß vor den anderen, langsam. Die Schultern hochgezogen, deine Schulterblätter angespannt, wie bei einer Raubkatze stehen sie heraus. Du drehst den Kopf nicht mal, als du um die Ecke in dein Büro gehst. Ich stelle mir den Schmerz vor, der in deinem Nacken tobt, dich anspringt bei jeder Bewegung.

Du bist sechs Meter tief gefallen. Ein Hubschrauber hat dich ins Krankenhaus gebracht. Dein Auto steht noch in den Bergen. Ohne den Felsvorsprung wärst du jetzt nicht mehr hier.

Ich mache die Tür hinter uns zu. Du hältst dich an der Tischkante fest, schließt die Augen, lässt dich auf den Stuhl sinken. Das Gesicht versteinert, keine Regung. Selbst dein Atem soll dich nicht bewegen, du atmest flach. Du lehnst dich an, lässt locker. Das Erstarrte, Maskenhafte verschwindet nicht ganz.

Vor den anderen warst du die Starke. Kommst ins Büro, weil du gebraucht wirst, tust so, als wäre es kein Problem. Du spielst so überzeugend, dass sie kein Mitleid haben. In deinem Vertrag ist dir Extremsport zu Projektzeiten verboten, höre ich sie in der Küche sagen.

Tränen laufen über deine Wangen. „Ich will nach Hause.“, sagst du, „Ich will nach Hause.“ Leise sagst du es, öffnest den Mund kaum. Ich wische dir die Tränen weg, damit deine Arme auf den Stuhllehnen liegen bleiben dürfen. Ich möchte dich in den Arm nehmen, festhalten, aber ich will dir nicht wehtun. Streiche nur über deine Schulter. Von Bergsonne gebräunte Haut, Sommersprossen. Ich rufe ein Taxi.

Tanzen mit dir ist das Beste. Keine Bewegung zu peinlich, schnellst du über die Tanzfläche, der Blick ganz ernst, dann Gelächter. Am Morgen falle ich ins Bett, müde, glücklich.

Eine Wette hast du mal verloren. Dein Einsatz: Ein Kopfstand in meinem Büro, auszuführen an einem Dienstagvormittag. Ich grade am Telefon, Kurierdienste bestellend, du stürmst rein, stützt dich vor der Wand ab, schwingst deine Beine nach oben. Du auf dem Kopf in meinem Büro. Der Telefonhörer rutscht mir aus der Hand. Dein Gesicht wird röter und du lachst. Ist ja egal, was UPS von uns hält.

Ich schleuse dich durch den Flur, vorbei an den anderen Büros, an den Blicken. Du hast wieder die Maske im Gesicht. Dein Brustkorb hebt sich kaum. Der Aufzug wartet schon.

Deinem Fahrrad hast du einen Namen gegeben. Ilse bringt dich überall hin. Manchmal schaust du aus deinem Büro, um sicher zu sein, dass sie noch im Flur steht. Jetzt steigen wir ins Taxi. Ilse ist daheim geblieben. In den nächsten Wochen wird sie auf dich warten müssen.

Zuhause zeigst du mir deine Wunden. Geschürfte, krustige Streifen, violette Flecken wie gemalt, Nähte. Wieviele Stiche es waren, hast du vergessen.

In ein paar Wochen sind die Flecken verschwunden, die Narben verheilt. Ich frage dich, wie es weitergeht. Vorsteigen kannst du nicht mehr, sagst du, wenn du alleine in der Wand hängst, kommt der Schmerz zurück. Hin musst du trotzdem wieder. Es war ein Rückschlag, keine Warnung. Du weißt, woran es lag. Zuviel im Kopf, nicht nur der nächste Gipfel. Es kommt nicht wieder vor, versprichst du, es wird nicht wieder passieren.

Und ich will dir glauben, so sehr.


Zweifel & Leidenschaft.

„Doubt is our Passion.“ – Henry James.

Mohn und Gedächtnis.

Porzellan.

Sommerhände.

 

Die Sonne auf deiner Haut ist nur noch eine blasse Erinnerung.

Den Pool und den Garten wird es bald nicht mehr geben.

Es ist Winter geworden. Ganz plötzlich.