Fee Feuer.

Worte. Bilder. Geschichten. Die Wahrheit. Ein paar Lügen. Herz. Blut.

Monat: Januar, 2012

Von. Über. Zu. Bis.

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Ich spaziere.
Von der kaputten Türklinke, die in meine Hand gefallen ist. Zum Licht im Treppenhaus zwischen den Blumentöpfen auf dem Fensterbrett. Zu den Schatten auf den Dielenbrettern. Um drei Ecken bis zu einer anderen Haustür. Ich warte.

Zwei Paar Füße spazieren.
Bei Rot über eine unbefahrene Straße. Durch eine Gasse zwischen spielenden Kindern. Im Kreis hinauf und über eine Brücke. Bergauf, bergauf. Zwischen Reihenhäusern, die zu Villen werden.

Wir folgen.
Den blattbedeckten Wegen. Den Sonntagsausflüglern. Dem Gefühl: Da, wo es nach Kindheit riecht, geht es lang. Verstecken hinter Baumstämmen. Äste sammeln. Sachen im Wald vergraben. Niemals wiederfinden.

Wir finden.
Den Weg hinauf. Den Weg zu den Sternen, der wegen Ferien geschlossen ist. Baumstämme, an die man sich ketten könnte. Das Licht, das Licht, das perfekte Licht. Den Weg hinab. Den Weg zurück nicht.

Wir treiben.
Aus dem Wald. In die Stadt. Mit Kälte in den Ohren. Durch Straßen, die nicht wiedererkannt werden. Unter der untergehenden Sonne.

Wir stehen.
An einer Stelle, wo die Straße sich teilt. Ein Paar Füße links, eines rechts. Kalte Nasen, kalte Lippen.

Ich spaziere.
Um drei Ecken. In ein dunkles Treppenhaus. Zu einer kaputten Klinke, die nicht in der Tür bleiben will.

 

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Eine Liste für dieses Jahr.

Anfang Januar habe ich eine Liste geschrieben. Es sind keine Vorsätze, nur ein paar Pläne, die ich habe für dieses Jahr. Vielleicht ist „Pläne“ sogar noch ein zu großes Wort. Vorhaben sind es, Gedanken. Manch ein Punkt ist nichts weiter als ein Wunsch, der zum Nichtvergessen jetzt an meiner Wand hängt.

Zweitausendelf.

Auch wenn der Januar sich schon seinem Ende nähert, will ich doch noch einmal zurückschauen. Es war ein seltsames Jahr. Keines, das dahinrast, keines, das ausschließlich mit sonnigen Erinnerungen aufwartet, aber doch eines mit einigen wenigen goldgelben Momenten. Ein Jahr vom Abschiednehmen und Wiedersehen. Vom Zurücklassen und Neuanfangen.

JANUAR

So still hat noch kein Jahr begonnen. Im Januar unternehme ich eine Reise in die Vergangenheit, stehe auf einem steinernen Steg am See und weiß, wo meine Wurzeln sind. Eine Freundin stellt Bilder aus, die sie von mir gemacht hat. Ich hänge an Wänden und starre auf den Fußboden. Es will immer noch nicht klappen mit dem Selbstbewusstsein und in die Universität, in die ich jeden Tag gehe, gehöre ich schon lang nicht mehr.

FEBRUAR

Im Februar mache ich jeden Tag ein Bild, wundere mich über den Schnee, der immer noch liegen bleibt und frage mich, warum mir immer schwerer fällt, was anderen so leicht gelingt. Ich laufe davon und erkenne Muster.

MÄRZ

Im März vermisse ich einen Freund und bekomme ihn kurz darauf zurück. Jemand hat nette Worte über meinen Blog zu sagen und ich schneide den Artikel aus der Zeitung aus. Aus einem Scherz und drei Worten entsteht etwas für eine Freundin, das im nächsten Jahr eine Rolle spielen wird. Ich helfe bei einem Umzug in eine Wohnung, von der noch keiner weiß, dass sie ein paar Monate später wieder verlassen wird.

APRIL

Im April studiere ich nur noch, was mich interessiert, sehe Goldfische in einem Tank und Francesco Wilking auf einer Bühne. Ich verliere meinen Personalausweis und muss meine Identität feststellen lassen, verschicke Bewerbungsmappen voller Hoffnung, tue so, als sei schon Sommer und esse Schmalznudeln an der Isar. Ich versuche etwas zu ändern. Es gelingt nicht.

MAI

Im Mai singen wir Lieder einer Band, von der man nicht mehr spricht, tanzen zu französischer Musik und das Warten beginnt. Ich esse Unmengen an Capri und Kaktuseis, verbringe Abende auf dem Dach, zeige euch eine Geschichte in 28 Fragmenten, die von manchen zu ernst genommen wird, und verstecke Papierschiffchen in den Schubladen einer Freundin.

JUNI

Im Juni verlaufe ich mich in meiner eigenen Stadt, gebe eine Schnurrbartparty und habe vom Kästentragen blaue Flecken in Form eines Gesichtes auf den Beinen. Ich bekomme zwei wichtige Briefe, von denen mich einer sehr traurig macht. Eine Niederlage fällt schwer zu verkraften, aber ich bin die freundlichste Ticketverkäuferin der Welt und überrasche mich selbst mit meiner Engelsgeduld, die mich auch beim fünfzehnten Fragenden noch erklären lässt, dass der erste Stock oben und das Openair draußen ist.

JULI

Mein Telefon geht im Juli kaputt und wählt nur noch die Nummer der Feuerwehr, weswegen die mich ab und zu zurückruft und fragt, ob alles in Ordnung ist. In der Nacht vor der Aufnahmeprüfung verliere ich meine Stimme. Ich laufe durch eine fremde Stadt und versuche mir vorzustellen, dort zu leben. Ich bekomme den besten Händedruck meines Lebens und schreibe einen langen Brief, der verstanden wird. Entscheidungen werden getroffen, ein Freund weint und ich kann nichts Tröstendes sagen.

AUGUST

Im August mache ich wieder jeden Tag ein Bild, mein Computer stirbt und ich fühle mich wie Carrie. Wenn es dunkel wird, gibt es immer irgendwo Freunde und Lichter und Stimmengewirr. Wir schließen die Bar ab und sitzen unter dem Nachthimmel. Die Wehmut schleicht sich ein. Wir gehen zum letzten Mal tanzen und machen Bilder, die uns erinnern sollen. Der erste Abschied fällt ausgerechnet auf meinen Geburtstag. Vier Mädchen liegen sich auf einem Bahngleis in den Armen und können nicht glauben, dass es zu Ende geht. Es wird viel geweint, aber Abschiedstränen sind gute Tränen, die geweint werden müssen, wenn etwas kostbar ist. Mein Foto wird gedruckt, ich bin ganz aufgeregt und werde fast von einem Fahrrad überfahren, als ich die frischgekaufte Zeitung aufschlage.

SEPTEMBER

Im September ist mein Körper überfordert. Erst verlege ich mir den Rücken und liege wie eine alte Frau ein paar Tage ächzend im Bett. Sobald das auskuriert ist, sitze ich zum ersten Mal in der Notaufnahme. Mit einem guten Freund unternehme ich eine Fototour durch die sonnenverbrannte Stadt und laufe mir dabei riesige Blasen an die Füße. Die Serie der Abschiede wird fortgesetzt. Ich bringe eine Freundin zum Flughafen, winke hinter der Absperrung und hoffe, dass alles gut gehen wird in diesem fremden Land.

OKTOBER

Im Oktober packe ich einen Koffer und zwei Kisten und weiß, dass es Zeit ist zu gehen. Ich nehme die verbliebenen Freunde in den Arm und will sie nicht loslassen. Der letzte Abschied wird der schwerste, ich drehe mich um und winke hoch zu einem Fenster, dann verlasse ich die Stadt. Ich beziehe ein fremdes Zimmer, verlaufe mich in Straßen, die alle gleich aussehen, verabrede mich zu Skypedates mit den verstreuten Freunden und bin in vielen Momenten ganz furchtbar glücklich.

NOVEMBER

Im November bin ich endlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und weiß, dass ich nicht weglaufen werde. Ich warte auf Besuch, der nicht kommen wird und höre immer wieder das und das. Etwas geht zu Ende und ich gebe auf.

DEZEMBER

Im Dezember tanze ich zum ersten Mal auf einer Hochzeit, mache meinem Ruf als Dramatante alle Ehre, falle den besten Freunden in die Arme, packe Zynismus und Misanthropie wieder aus und hoffentlich bald wieder ein, erweitere die Sammlung der hässlichsten Pullover und mache Pläne gegen das Zweifeln.