Die Gleichzeitigkeit der Dinge.

von Fee

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Ich erinnere mich anders als du. Tiefe Schichten, die ich durchquere, jeden Tag, du wirst es nicht verstehen, keiner tut das, keiner hat es je, an diesen Orten. Die Bar, die Straße bei der Uni, der Platz, der Fluß, die Kreuzung, alles durchzogen mit Gesichtern, mit Gefühlen, die ich von Neuem durchlebe, wenn ich die Orte betrete. Es ist ein Erinnertwerden. Ein Erinnernmüssen. Du kannst es nicht verstehen, wirst es nicht, keiner hat das je.

Nur bei den Orten, die ich ständig durchlaufe, sind es keine einzelnen Erinnerungen, die mich überfallen. Wenn ich meine Kopfhörer überziehe, das Treppenhaus hinunterpoltere, die Haustür aufziehe, wenn ich immer dieselbe Straße hinunterlaufe, den Bus nehme, Fahrpläne ändern sich nicht so schnell und wenn doch gibt es in zehn Minuten die nächste Chance hier wegzukommen, wenn ich durch diese geliebte gehasste immergleiche Stadt laufe, dann ist es egal zu wem ich laufe, ob zu dir, zu dem Jungen mit den Locken, zu dem zu alten Mann, zu dem, der so furchtbar schlecht für mich war. Es macht keinen Unterschied.

Wenn das hier keine Worte, sondern Bilder wären, würdest du mich sehen, immer wieder an derselben Straßenecke. Und du würdest sehen, dass es keinen Unterschied macht, ob die Sonne scheint oder Regen fällt, ob meine Haare hochgesteckt oder offen sind, mein Kleid kurz oder die Hose eng, ob Winter oder Sommer ist.

Ich setze einen Fuß vor den anderen von einer Asphaltplatte zur nächsten, ich lasse mich von der Trambahn fortbringen, blinzle in Straßenlaternen, höre den Fluß rauschen und der Wind bringt meine Haare durcheinander. Dieses Gefühl genau dann. Wenn es egal ist, wann ich bin. Es ist die Gleichzeitigkeit der Dinge. Du wirst es nicht verstehen. Niemand hat das je. Aber es ist das, was ich am meisten vermisse, seit ich diese Stadt verlassen habe.

Die Gleichzeitigkeit der Dinge, die in ihren Straßen schläft.

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