Melone schneiden.

von Fee

Als würde jemand seine Hand auf deinem Scheitel platzieren, Zeige- und Mittelfinger greifen über deine Augenbrauen, halten sich in den Augenhöhlen fest und mit einem Ruck zieht dich die Hand nach hinten, du siehst nichts mehr, du wartest, auf was? Schmerz? Stattdessen: ein Messer in deiner Hand, glitschig, feucht, Saft rinnt über deine Finger. Du schneidest Melone. Halbieren, vierteln, achteln. Du nimmst einen Melonenschnitz und schneidest Stücke bis zur Schale, drückst das stumpfe Messer in deinen Handballen, löst die Stücke vom harten Rand, lässt sie fallen, saftig schmatzen sie auf der glatten Telleroberfläche. Die Hand hat dich gerissen und du findest dich wieder beim Melone schneiden. Du riechst den süßlichen Duft. Zwischen zwei Schnitten vertreibst du die Fliegen mit einer Hand. Du kennst diese Küche, von draußen Stimmen, du kennst die Münder, die sich die blassgelben Würfel zwischen die Lippen schieben werden. Du kennst das Abendlicht, das die Wand trifft, dort über der Tür, kennst die Sonne, die jetzt untergeht und die Nacht, die beginnt, die kennst du auch. Das alles ist schon lange her. Kein Mensch schneidet jetzt noch Melone, die Sonne geht nachmittags unter und das, was dich aus dem Alltag reißt, wird bald aufhören, wird weniger, ist schon längst kein Schlag mehr in die Magengrube, ist nur noch schubsen, schieben, zerren und in ein paar Wochen gehst du ohne zu zögern geradeaus.

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