Fee Feuer.

Worte. Bilder. Geschichten. Die Wahrheit. Ein paar Lügen. Herz. Blut.

Monat: September, 2013

Mittwochsbild (6).

Mittwochsbild.

Wir haben unser Kampfoutfit angelegt und sind losgestiefelt. Beim Tanzen eine Hand zum Himmel gestreckt. Wir sind nicht zum Rauchen rausgegangen, haben die leuchtenden Stummel auf die Tanzfläche segeln lassen, hundert Füße, die sie aussteppen, ausgrooven, ausdiscofoxen. Wir sind in der Menge verschwunden, wenn es nötig war, wir sind angenehm aufgefallen, hingefallen, rausgestochen. Wir haben gesagt gehwegichhassedich und neinmirgehtsgut und schaueswirdschonhell. Wir haben so sehr gehofft, dass noch was passiert, auch wenn schon so viel passiert war. Wir haben uns getäuscht, verrannt, gefunden. Wir haben nicht aufgegeben, weitergemacht, immer weiter. Und beim Nachhauselaufen die großen Wahrheiten, an die sich keiner erinnern wird. Wir haben das Kampfoutfit angelegt und sind losgestiefelt. Ich glaube, das war der beste Augenblick.

Mittwochsbild (5).

Mittwochsbild.

Nein, abergläubisch bin ich nicht. Und doch komme ich nicht umhin zu bemerken, dass mein Leben – seit ich die pinken Haarspitzen abgeschnitten habe – wieder rund läuft und alles was davor so furchtbar schief gegangen ist, seinen Lauf nahm, kurz nachdem ich das Pink zum ersten Mal hineingefärbt hatte. Es müssen Pechsträhnen gewesen sein. Ich sollte die Kosmetikfirma verständigen.

Mittwochsbild (4).

Mittwochsbild.

In meinem ersten Sommer hier entdeckte ich, dass es einen See gab, zu dem man laufen konnte, den man umrunden konnte, an dem es steinerne Stufen gab, die warm blieben in der Abendsonne und an guten Tagen kaum besucht waren. Noch ist nicht alles verloren, dachte ich, solange es Wasser gibt, auf das ich schauen kann, das meine Füße umspielt und die Sonne verschluckt.

Aber ich bin viel zu selten zum See gelaufen, ich habe zu wenig Sonnenuntergänge beobachtet, ich bin nie mit einem der alten Busse zur Endstation gefahren, ich war zu wenig in der einen Bar, die ich mag, ich war nicht oft genug oben bei der Sternwarte, ich bin zu selten weggefahren, um gerne wiederzukommen. Und ich dachte viel zu selten: ich bin jetzt hier, ich bin jetzt gerne hier.

Mittwochsbild (3).

3

Er zählt meine Schritte vom Küchentisch bis zum Bett, vom Weintrinken zum Nichtmehrsprechen, vom Gegenübersitzen zum Aufeinanderliegen. Er zählt immer siebzehn, manchmal achtzehn, der Weg ist nicht besonders weit und wenn ich mehr als zweiundzwanzig Schritte brauche, weiß er, etwas ist nicht in Ordnung.