Fee Feuer.

Worte. Bilder. Geschichten. Die Wahrheit. Ein paar Lügen. Herz. Blut.

Mittwochsbild (5).

Mittwochsbild.

Nein, abergläubisch bin ich nicht. Und doch komme ich nicht umhin zu bemerken, dass mein Leben – seit ich die pinken Haarspitzen abgeschnitten habe – wieder rund läuft und alles was davor so furchtbar schief gegangen ist, seinen Lauf nahm, kurz nachdem ich das Pink zum ersten Mal hineingefärbt hatte. Es müssen Pechsträhnen gewesen sein. Ich sollte die Kosmetikfirma verständigen.

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Mittwochsbild (4).

Mittwochsbild.

In meinem ersten Sommer hier entdeckte ich, dass es einen See gab, zu dem man laufen konnte, den man umrunden konnte, an dem es steinerne Stufen gab, die warm blieben in der Abendsonne und an guten Tagen kaum besucht waren. Noch ist nicht alles verloren, dachte ich, solange es Wasser gibt, auf das ich schauen kann, das meine Füße umspielt und die Sonne verschluckt.

Aber ich bin viel zu selten zum See gelaufen, ich habe zu wenig Sonnenuntergänge beobachtet, ich bin nie mit einem der alten Busse zur Endstation gefahren, ich war zu wenig in der einen Bar, die ich mag, ich war nicht oft genug oben bei der Sternwarte, ich bin zu selten weggefahren, um gerne wiederzukommen. Und ich dachte viel zu selten: ich bin jetzt hier, ich bin jetzt gerne hier.

Mittwochsbild (3).

3

Er zählt meine Schritte vom Küchentisch bis zum Bett, vom Weintrinken zum Nichtmehrsprechen, vom Gegenübersitzen zum Aufeinanderliegen. Er zählt immer siebzehn, manchmal achtzehn, der Weg ist nicht besonders weit und wenn ich mehr als zweiundzwanzig Schritte brauche, weiß er, etwas ist nicht in Ordnung.

Mittwochsbild (2).

Mittwochsbild

Soundsoviel, sagst du, es gibt nur soundsoviel Geschichten, die dir passieren. Im Grunde ist es immer wieder die gleiche. Und jedes Mal denkst du, so was wie jetzt, nein, so was hab ich noch nie erlebt. Soundsoviel, denke ich, es gibt nur soundsoviel Wege die Geschichten zu erzählen. Über die Jahre ändert sich kaum etwas und die Worte bleiben dieselben. Sie passen nur immer besser.

Mittwochsbild (1).

Mittwochsbild.

Mit einem Finger zeichne ich Momente nach, folge den Spuren, die ich vor einem Jahr zurückgelassen habe. A. nennt es Traumabewältigung. Wir machen uns einen Spaß daraus jedes noch so kleine Detail nachzustellen. Der See sieht ganz genauso aus. Das Wasser fühlt sich ganz genauso an. Ich schwimme bis zur Mitte, breite die Arme aus, drehe das Gesicht zum Himmel. Nicht, weil ich sie wiederhaben will, folge ich den Momenten – ich will den Unterschied fühlen.

30 Tage // 30 Bilder.

30 Tage // 30 Bilder.

*
Einen Monat lang, jeden Tag ein Foto.
Ein Bildertagebuch für den April.

Dies ist ein Langzeitprojekt.
Zweimal im Jahr fotografiere ich die Nahaufnahme eines Monats.
Am Ende werden 365 Bilder Momente aus sechs Jahren zeigen
und so ein neues Jahr entstehen lassen.

Alle bisherigen Bildertagebücher sieht man im Label 365.

Das nächste Tagebuch ist für Oktober 2013 geplant.

Erster.

Erster.

 

 

Zweiter.

Zweiter.

 

 

Dritter.

Dritter.

 

 

Vierter.

Vierter.

 

 

Fünfter.

Fünfter.

 

 

Sechster.

Sechster.

 

 

Siebter.

Siebter.

 

 

Achter.

Achter.

 

 

Neunter.

Neunter.

 

 

Zehnter.

Zehnter.

 

 

Elfter.

Elfter.

 

 

Zwölfter.

Zwölfter.

 

 

Dreizehnter.

Dreizehnter.

 

 

Vierzehnter.

Vierzehnter.

 

 

Fünfzehnter.

Fünfzehnter.

 

 

Sechzehnter.

Sechzehnter.

 

 

Siebzehnter.

Siebzehnter.

 

 

Achtzehnter.

Achtzehnter.

 

 

Neunzehnter.

Neunzehnter.

 

 

Zwanzigster.

Zwanzigster.

 

 

Einundzwanzigster.

Einundzwanzigster.

 

 

Zweiundzwanzigster.

Zweiundzwanzigster.

 

 

Dreiundzwanzigster.

Dreiundzwanzigster.

 

 

Vierundzwanzigster.

Vierundzwanzigster.

 

 

Fünfundzwanzigster.

Fünfundzwanzigster.

 

 

Sechsundzwanzigster.

Sechsundzwanzigster.

 

 

Siebenundzwanzigster.

Siebenundzwanzigster.

 

 

Achtundzwanzigster.

Achtundzwanzigster.

 

 

Neunundzwanzigster.

Neunundzwanzigster.

 

 

Dreißigster.

Dreißigster.

 

 

Das erste Bildertagebuch von Februar 2011: Link.

Das zweite Bildertagebuch von August 2011: Link.

Das dritte Bildertagebuch von März 2012: Link.

Das vierte Bildertagebuch von September 2012: Link.

Fee Feuer auf Facebook: Page.

Alle Bilder fotografiert mit einer Minox 35 GT.
(außer 18: Fuji Instax 210 und 29: Canon AE1-Program)

Ich bleibe rastlos.

Regenbogen.

Anhören? Klick:

Schon mal hier gewesen zu sein, heißt nicht, es jetzt besser zu wissen. Die adequate Antwort zu kennen, heißt nicht, sie auch aussprechen zu können. Und wenn du die Augen schließt und ganz tief in dich hineinhörst, weißt du dann, ob es pumpt oder pocht?

Diese Sache mit den Erfahrungen und dem Älterwerden, schlau werden wir nicht daraus. Die Konsequenz bleibt aus, obwohl wir die meisten Fehler nicht nur einmal machen. Was fehlt, ist das, was die Stimme aus dem Off in den letzten Filmminuten musikuntermalt zusammenfasst und was wir uns hinterher aufs Handgelenk tätowieren wollten, immer in Sichtweite, damit wir es niemals vergessen.

Ich war schon einmal hier. Das könnte ich sagen, genug ist es nicht. Freisprechen wollte ich mich, lossagen. Doch mir fehlen die Worte. Und die geheimen Botschaften, ich habe sie nicht versandt. Die Grenzen dieser Stadt sind mir in Mark und Bein übergegangen, beherrschen mich, solang ich mich beherrschen kann. Wenn ich spreche, spreche ich von Freiheit und wie ratlos sie mich macht.

Ich bleibe rastlos, habe ich gesagt, schon vor langer Zeit. Und ich werde nicht müde zu erklären, warum das gut so ist.

Boots.

Nora

Nora

Eis, Eis, Baby.

Anhören? Klick:

Der Abend ist jung, wir treffen uns früh. Eine Umarmung zur Begrüßung, wiegehtsunddir, schöndichzusehen, ein Getränk von der Bar, ein Platz in der Menge, wir stehen und dann nichts.

Von einem Fuß auf den anderen treten. Den Blick wandern lassen. Verschämtes Grinsen. Mit feuchten Fingern das Etikett von der Flasche schälen. Eine Hand in die Hosentasche schieben. Auch hier keine Erleuchtung. Ich müsste etwas Aufregendes sagen, etwas Perfektes. Wäre dies ein Trickfilm, ihm müsste der Hut vom Kopf fliegen nach meinem Satz, seine Augen würden aus den Höhlen schnellen und sein Kiefer ungebremst auf den Fußboden knallen.

Doch in meinem Kopf: Nichts außer halbgarer Formulierungen. Jeder Satz eine hohle Bemerkung, die im Sand verläuft. Er nickt, trinkt, schaut. Hand in die Hosentasche. Von einem Fuß auf den anderen. Eis, Eis, Baby. Wir sind mittendrin. Ein Rieseneisbecher mit peinlicher Stille.

Ich wünsche mir einen Talkshowmaster zwischen uns mit Zahnpastalächeln, Haarspraytolle und glitzerndem Revers, der alles, was wir brauchen, von einem Stapel Karten in seiner Hand abliest.

Ich wünsche mir einen Smalltalkcoach, der uns in zehn Schritten – denn alles ist machbar, wenn es in zehn Schritte unterteilbar ist – zum perfekten Gespräch führt, indem er uns lehrt, die richtigen Fragen zu stellen, eine offene, kommunikative Körperhaltung einzunehmen, und bloß nicht über Politik oder Krankheit zu sprechen.

Ich wünsche mir ein Eisbrecherschiff mit meterdickem Rumpf, das sich unter tosendem Krach seinen Weg bahnt und die Eisstücke unter das Festeis schiebt, so dass eine offene Fahrrinne zurückbleibt, in der wir uns bewegen können, den ganzen Abend lang.

Kein Talkshowmaster kommt mit ausgebreiteten Armen herbeigeeilt, kein Smalltalkcoach, kein Eisbrecherschiff. Wir stehen, trinken, schieben Hände in Taschen, treten hin und her. Kein Wort wird uns einfallen. Wir werden die Flaschen leeren, auf dem Tresen stehen lassen. Wir werden auf die Straße treten und nach einer Umarmung zum Abschied jeder für sich entscheiden, uns nicht mehr wiederzusehen.

Jemand schiebt sich durch die Menge, als ich unsere Zukunft schon beschlossen habe, stößt gegen seine Schulter, er stolpert, fällt, sein Getränk schwappt, mein Fuß wird nass, sein Arm an meinem. Erst Schreck, dann Gelächter. Er richtet sich auf, schüttelt die überschwemmte Hand aus. Und wir stehen ohne wandernde Blicke, ohne Hände in Hosentaschen, ohne von einem Fuß auf den anderen zu treten.

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Dieser Text ist für das Magazin Der blaue Salon entstanden. Neben diesem Eisbrecher habe ich auch eine Bildergeschichte beigesteuert. Wer Lust hat durch die Seiten zu blättern, kann sich das sehr schöne Magazin, in dem sich alles um Brüche dreht, hier bestellen.

derblauesalon

Oh mein M.

oh mein m.

oh mein m.

oh mein m.

oh mein m.